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Kunststoffreduktion bei Verpackungen: Wie Nortura 45 Tonnen Material pro Jahr einsparen konnte

Ein Praxisbeispiel, das zeigt, wie sich Materialeffizienz, Design for Recycling und Produktschutz miteinander verbinden lassen.

Mit einer konsequenten Verpackungsoptimierung, recyclinggerechten Verpackungen und enger Entwicklungsarbeit mit SÜDPACK gelang es Nortura, den Kunststoffverbrauch bei Salami- und Rohschinken-Verpackungen um rund 45 Tonnen pro Jahr zu reduzieren.

Kunststoffreduktion bei Verpackungen: Wie Nortura 45 Tonnen Material pro Jahr einsparen konnte
datetime 09/09/2026 readtime 4 min.

Wer Verpackungen für Lebensmittel entwickelt, kennt die Herausforderung: Material einsparen, Recyclingfähigkeit verbessern, gesetzliche Anforderungen erfüllen und gleichzeitig Produktschutz, Haltbarkeit und Effizienz sicherstellen. Oft stehen diese Ziele scheinbar im Widerspruch zueinander.

Für den norwegischen Lebensmittelhersteller Nortura war genau diese Herausforderung der Ausgangspunkt eines umfassenden Optimierungsprojekts. Das Unternehmen, das jährlich rund 230.000 Tonnen Lebensmittel verarbeitet und mit den Marken Gilde und Prior zu den bekanntesten Anbietern Norwegens zählt, wollte die Verpackungen seiner beliebten Aufschnittprodukte fit für zukünftige Anforderungen machen.

Das Ergebnis ist messbar: Allein im Segment Salami- und Rohschinken-Aufschnitt konnte Nortura nach eigenen Angaben den Kunststoffverbrauch um rund 45 Tonnen pro Jahr reduzieren.

Der Startpunkt: Mehr Recyclingfähigkeit bei weniger Materialeinsatz

Im Mittelpunkt standen zwei klare Ziele: die Kunststoffreduktion bei Verpackungen sowie die Entwicklung von Lösungen, die sich bestehenden Sortier- und Recyclingströmen zuordnen lassen.

Dafür wurden bisher eingesetzte Mehrschichtlaminate auf Basis von PA/PE beziehungsweise PET durch überwiegend aus Polypropylen (PP) bestehende Verpackungslösungen ersetzt. Gleichzeitig sollte die Umstellung Nortura dabei unterstützen, sich frühzeitig auf kommende Anforderungen der europäischen Verpackungsverordnung PPWR vorzubereiten.

Doch der Weg dorthin erforderte deutlich mehr als den reinen Materialwechsel. Verpackungsdesign, Materialstärken, Maschinengängigkeit und Produktschutz mussten als Gesamtsystem betrachtet werden.

Salami-Verpackung: Weniger Kunststoff, gleiche Funktion

Besonders deutlich wird die Verpackungsoptimierung am Beispiel der Salami-Verpackung.

Während zuvor eine 230 µm starke Unterfolie und eine 75 µm starke Oberfolie auf Basis von PA/PE zum Einsatz kamen, wurde das Konzept vollständig überarbeitet. Die neue Lösung besteht aus einer 250 µm starken Unterfolie aus dem Ecoterm-Programm sowie der 60 µm dünnen Oberfolie SafePeel PurePP.

Durch die Umstellung auf die PP-dominierte Struktur ließ sich das Kunststoffgewicht pro Verpackung nach Unternehmensangaben um rund 13 % reduzieren. Auf das gesamte Produktsegment gerechnet entspricht dies einer jährlichen Einsparung von rund 19 Tonnen Kunststoff einschließlich Produktionsabfällen.

Zugleich wurde die Verpackung auf stoffliches Recycling ausgelegt und erreicht einen PP-Anteil von etwa 95,6 %.

Rohschinken-Verpackung: Noch größere Einsparpotenziale

Noch deutlicher zeigen sich die Effekte bei der Rohschinken-Verpackung.

Hier ersetzte Nortura bisherige PET-basierte Mehrschichtlaminate durch eine PP-Monomateriallösung. Über sämtliche Formate hinweg konnte das Kunststoffgewicht dadurch um 28,3 % reduziert werden. Das entspricht einer jährlichen Einsparung von rund 17,2 Tonnen Kunststoff.

Bei einzelnen Verpackungsformaten fiel die Reduktion sogar noch höher aus: Für bestimmte Langpackungen wurde nach Unternehmensangaben eine Kunststoffreduktion von bis zu 36 % erreicht.

Ein wesentlicher Hebel war dabei die Verringerung der Materialstärken. Während zuvor Unter- und Oberfolie mit 350 beziehungsweise 83 µm ausgeführt waren, konnten die Stärken auf 250 und 60 µm reduziert werden. Die erforderliche Stabilität und Verpackungsperformance blieben dabei erhalten.

Der eigentliche Erfolgsfaktor: Zusammenarbeit und Tests

Verpackungsprojekte dieser Größenordnung entstehen selten allein durch neue Materialien. Entscheidend ist das Zusammenspiel aus technologischem Know-how, praktischer Anwendungserfahrung und einer engen Zusammenarbeit entlang der gesamten Wertschöpfungskette.

Genau hier lag einer der zentralen Erfolgsfaktoren des Nortura-Projekts. Gemeinsam mit dem Entwicklungspartner SÜDPACK wurde jedes Detail der bestehenden Verpackungskonzepte analysiert, getestet und optimiert. Im Fokus standen nicht nur neue Materialstrukturen, sondern auch Fragen der Verarbeitbarkeit, Packungsperformance und Recyclingfähigkeit.

Für die Umstellung setzte Nortura auf die PP-basierten Verpackungslösungen Ecoterm PP als Unterfolie und SafePeel PurePP als Oberfolie. Beide wurden gezielt für Anwendungen entwickelt, bei denen Materialeffizienz, Produktschutz und Design for Recycling zusammengedacht werden müssen.

„Die Transformation ist das Ergebnis intensiver Entwicklungsarbeit“, unterstreicht Alexander Baustad. „Durch die enge Kooperation mit Entwicklungspartnern wie SÜDPACK, durch systematische Tests wie auch durch gezielte Anpassungen bestehender Produktionsanlagen ist es möglich, Nachhaltigkeit, Funktionalität und Wirtschaftlichkeit in Einklang zu bringen – und zwar ohne Kompromisse bei Produktschutz, Qualität oder Haltbarkeit.“

Bevor die neuen Konzepte in die Serienproduktion überführt wurden, durchliefen sie umfangreiche Testphasen. Diese reichten von ersten Materialprüfungen im Anwendungszentrum von SÜDPACK in Ochsenhausen bis hin zu praxisnahen Versuchen unter Produktionsbedingungen in den Nortura-Werken. Ziel war es, die Verarbeitung auf den vorhandenen Tiefziehverpackungsanlagen sowie die gewünschte Performance zuverlässig abzusichern.

Mehr Effizienz auf der Verpackungslinie

Der Erfolg des Projekts zeigt sich nicht nur bei der Kunststoffreduktion bei Verpackungen, sondern auch in der täglichen Produktion.

Zu Beginn der Umstellung bestand bei Nortura die Sorge, dass für die neuen PP-Strukturen Investitionen in zusätzliche Verpackungstechnik erforderlich sein könnten. Gemeinsam mit den Verpackungsspezialisten von SÜDPACK wurde deshalb früh geprüft, wie sich die neuen Materialkonzepte in die bestehende Infrastruktur integrieren lassen.

Das Ergebnis: Mit gezielten Anpassungen konnten die Verpackungslösungen Ecoterm PP und SafePeel PurePP auf den vorhandenen Tiefziehverpackungsanlagen verarbeitet werden. Die erreichte Laufleistung entspricht laut Nortura etwa der des bisherigen Materials.

Zusätzliche Effizienzpotenziale entstanden durch die reduzierte Materialstärke der Oberfolie. Dadurch stehen rund 38 % mehr Laufmeter pro Folienrolle zur Verfügung. Weniger Rollenwechsel bedeuten gleichzeitig reduzierte Stillstandzeiten und geringere Logistikaufwände.

Darüber hinaus ist das Verpackungssystem so aufeinander abgestimmt, dass Unter- und Oberfolie zuverlässig zusammenarbeiten. Die Ecoterm-Unterfolie sorgt für eine stabile Formgebung beim Tiefziehen, während die SafePeel-PurePP-Oberfolie eine sichere Versiegelung ermöglicht und gleichzeitig ein komfortables Öffnen der Verpackung für Verbraucher unterstützt.

Design for Recycling als Schritt in Richtung PPWR

Die erzielten Ergebnisse blieben nicht unbeachtet. 

Beim Plastic Pledge Award 2026 wurde Nortura sowohl in der Kategorie „Design for Recycling“ als auch mit dem „Shelf-life Award“ ausgezeichnet.

 

Für Lebensmittelhersteller, die ihre Verpackungen im Hinblick auf Kunststoffreduktion, Materialeffizienz, Design for Recycling und die kommenden Anforderungen der PPWR weiterentwickeln möchten, liefert das Projekt ein praxisnahes Beispiel dafür, wie sich ambitionierte Ziele Schritt für Schritt umsetzen lassen.

Der Fall Nortura zeigt, dass erfolgreiche Verpackungsoptimierung weit über den Austausch einzelner Materialien hinausgeht. Erst das Zusammenspiel aus geeigneten Verpackungslösungen, umfangreichen Tests und einer engen Zusammenarbeit zwischen Lebensmittelhersteller und Entwicklungspartner ermöglicht Ergebnisse wie die Einsparung von 45 Tonnen Kunststoff pro Jahr bei gleichzeitig hoher Prozess- und Produktsicherheit.

Mit seinen PP-basierten Lösungen Ecoterm PP und SafePeel PurePP sowie seiner Anwendungs- und Materialkompetenz begleitete SÜDPACK Nortura auf diesem Weg als Entwicklungspartner. Das Projekt macht deutlich, welches Potenzial in einer partnerschaftlichen Herangehensweise steckt, wenn Recyclingfähigkeit, Produktschutz und Wirtschaftlichkeit gleichermaßen berücksichtigt werden.