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Food Waste - Teil 1: Das Paradox unserer Zeit

Food Waste ist eines der größten globalen Probleme unserer Zeit – und Verpackungen können ein entscheidender Teil der Lösung sein.

Eigentlich wäre genug Nahrung da – und doch hungern weltweit Millionen Menschen, während gleichzeitig enorme Mengen an Lebensmitteln verloren gehen oder weggeworfen werden. Dieses Spannungsfeld macht Food Waste zu einem der drängendsten Nachhaltigkeitsthemen unserer Zeit. Wer das Problem lösen will, muss verstehen, wo entlang der Wertschöpfungskette Verluste entstehen – und warum schon kleine Maßnahmen große Wirkung entfalten können.

Food Waste – Teil 1: Das Paradox unserer Zeit

datetime 14/07/2026 readtime 3 min.

Die unbequeme Wahrheit in Zahlen

 

Die Zahlen sind eindrücklich – mehr als acht Milliarden Menschen leben heute auf dem Planeten Erde, Tendenz steigend. Auch die Zahl derer, die mangel- und unterernährt sind und die auch an den Folgen sterben, wächst. Laut Schätzungen der FAO (Food and Agriculture Organization of the United Nations) sind jährlich bis zu 720 Millionen Menschen von Hunger betroffen, davon leben 94 % in Afrika und in Asien. 9 Millionen sterben jedes Jahr an den Folgen von Nahrungsmangel. 

Angesichts dieser erschreckenden Zahlen stellt sich die Frage nach dem Warum. Denn eigentlich wäre rein theoretisch genug Nahrung für alle da. Aber: Überall auf der Welt gehen Lebensmittel irgendwo in der Prozesskette verloren. Allein in Deutschland landen noch immer mindestens 10 Millionen Tonnen Lebensmittel jedes Jahr auf dem Müll, die Zahl der weggeworfenen oder verlustig gegangenen Produkte weltweit beziffert sich auf 1,3 Milliarden Tonnen. Gehen wir noch tiefer in die Zahlen, zeigt sich, dass bei frischem Obst und Gemüse der Verlust sogar rund die Hälfte des Anbaus beträgt.

Warum Food Waste mit der Zukunft zu tun hat


Der Handlungsdruck wächst. Laut UN wird die Weltbevölkerung bis 2050 auf rund 10 Milliarden Menschen anwachsen. Gleichzeitig nimmt die Urbanisierung stark zu: Schon heute lebt über die Hälfte der Menschheit in Städten. Laut FAO und UN müsste die Nahrungsmittelproduktion um etwa 60 bis 70 % im Vergleich zu heute steigen, um mit dem prognostizierten Bevölkerungswachstum mithalten zu können. Im Kontext der allgemeinen Ressourcenknappheit wiegt diese Einschätzung umso schwerer. Denn jede Verschwendung von Nahrungsmitteln hat auch eine Verschwendung der eingesetzten Ressourcen zur Folge. Klar wird: Wenn künftig mehr Menschen sicher und hygienisch mit Lebensmitteln versorgt werden sollen, müssen wir vorhandene Ressourcen deutlich effizienter nutzen als bisher.

Wo werden Lebensmittel eigentlich verschwendet?

In Entwicklungsregionen entstehen Verluste häufig am Anfang der Wertschöpfungskette.
Gründe sind mangelhafte Infrastruktur, fehlende Kühl- und Lagerkapazitäten, unzureichende Verpackungs- und Vermarktungskonzepte oder fehlende technische Ausstattung. Das Ergebnis: Lebensmittel verderben, noch bevor sie überhaupt den Verbraucher erreichen.

In Industrie- und Schwellenländern findet Verschwendung dagegen häufig später statt – im Handel, in der Außer-Haus-Verpflegung und in privaten Haushalten. 
Weggeworfen wird, weil Produkte optisch nicht der Norm entsprechen, das Mindesthaltbarkeitsdatum falsch interpretiert wird, zu große Mengen eingekauft wurden oder angebrochene Produkte nicht mehr ausreichend geschützt sind. Die Ursachen unterscheiden sich also deutlich – und genau deshalb müssen auch die Lösungen regional und entlang der Kette differenziert gedacht werden.

Weltweite Bestrebungen zur Eindämmung von Food Waste

Auch politisch nimmt das Thema Fahrt auf. Vor allem in den letzten Jahren wurden zahlreiche Initiativen und auch gesetzliche Regelungen angestoßen, die zunehmend an Dynamik gewinnen. 
Mit ihrer Agenda 2030 und speziell im Rahmen der UN Sustainable Development Goals, Ziel 12.3 zum Beispiel haben die Vereinten Nationen wichtige Leitplanken gesetzt, um weltweite Lebensmittelverschwendung und Lebensmittelverluste entlang der Produktions- und Lieferketten einschließlich der Nachernteverluste bis 2030 deutlich zu reduzieren. 

In der EU gelten inzwischen verbindliche Reduktionsziele bis 2030: 10 % weniger Lebensmittelabfälle in Verarbeitung und Herstellung sowie 30 % weniger pro Kopf im Handel, in der Gastronomie und in Haushalten. 
In Deutschland setzt der „Pakt gegen Lebensmittelverschwendung“ mit 14 Unternehmen des Groß- und Einzelhandels zusätzliche Impulse. 
Er sieht eine Reduktion der Lebensmittelabfälle um 30 % bis 2025 und um 50 % bis 2030 vor.

Weiterlesen: Teil 2 – Verpackung wirkt: 3 Hebel gegen Food Waste (online ab 22.07.26)