Fünf zentrale Hebel für eine verbesserte Treibhausgasbilanz von Verpackungen
Wer den CO₂e-Fußabdruck seiner Produkte reduzieren möchte, sollte Verpackungen genau unter die Lupe nehmen. Denn Materialwahl, Recyclingfähigkeit, Rezyklateinsatz und Produktschutz können die Treibhausgasbilanz maßgeblich beeinflussen. Erfahren Sie, welche fünf Hebel häufig besonders relevant sind und wie sich Zielkonflikte zwischen Treibhausgasbilanz, Funktionalität und regulatorischen Anforderungen auf Basis belastbarer Daten bewerten lassen.

Wer den CO₂e-Fußabdruck seiner Produkte reduzieren möchte, kommt an der Verpackung nicht vorbei. Mit den Berichtspflichten der CSRD, den Verpackungsanforderungen der PPWR und den Klimazielen vieler Unternehmen rückt die CO₂e-Reduktion bei Verpackungen zunehmend in den Fokus. Der Product Carbon Footprint (PCF) für Verpackungen zeigt, wie viele Treibhausgasemissionen einer Verpackung innerhalb der festgelegten Systemgrenzen zugeordnet werden.
Doch welche Maßnahmen ermöglichen in der jeweiligen Anwendung relevante Einsparungen? Und warum führt nicht jede Entscheidung mit einem Umweltziel automatisch zur günstigsten Treibhausgasbilanz? Die Antwort liegt in einer ganzheitlichen Betrachtung des Lebenszyklus einer Verpackung. Genau hier schaffen Lebenszyklusanalysen (Life Cycle Assessments, LCA) und Product Carbon Footprints (PCF) die notwendige Transparenz. Damit bilden sie eine fundierte Grundlage, um funktional vergleichbare Verpackungslösungen innerhalb klar definierter Systemgrenzen miteinander zu vergleichen.
Der CO₂e-Fußabdruck einer Verpackung umfasst alle Treibhausgasemissionen, die entlang ihres Lebenszyklus entstehen. Dazu gehören:
Die Nutzungsphase wird bei vielen Verpackungs-PCFs bewusst nicht betrachtet, da Verpackungen während dieses Lebensabschnitts meist nur geringe direkte Umweltauswirkungen verursachen.
Die Einflussfaktoren auf die Treibhausgasbilanz unterscheiden sich je nach Verpackungssystem und definierten Systemgrenzen. In den betrachteten SÜDPACK-LCA-Szenarien entfällt ein wesentlicher Anteil der CO₂e-Emissionen auf die eingesetzten Vormaterialien und deren Herstellung. Für diese Szenarien zählen die Vormaterialien damit zu den besonders relevanten Ansatzpunkten für Verbesserungen.
Wenn es um die CO₂e-Reduktion bei Verpackungen geht, führt selten ein Weg an der Materialeffizienz vorbei.
Jedes eingesparte Gramm Material kann sich auf mehrere Lebenszyklusphasen auswirken: Es reduziert den Rohstoffbedarf und kann die mit der Verpackung verbundenen Treibhausgasemissionen verringern. Deshalb zählen Lightweighting und Downgauging in vielen Verpackungsanwendungen zu den besonders wirksamen Maßnahmen zur CO₂e-Reduktion.
Typische Beispiele sind:
SÜDPACK-Lösungen wie CarbonLite® Flow Pack PurePP können gegenüber einer jeweils definierten Referenzverpackung Material einsparen und zugleich die für die konkrete Anwendung festgelegten Anforderungen an Produktschutz und Verarbeitung erfüllen.
Der tatsächliche Effekt ist anhand der jeweiligen Verpackungsspezifikation und Vergleichsbasis zu bewerten.
Fazit: Ein geringerer Materialeinsatz kann die Treibhausgasemissionen einer Verpackung reduzieren. Wie groß der Effekt ist, hängt von der konkreten Anwendung, der Materialart, der Funktionalität und den betrachteten Lebenszyklusphasen ab.
Die Wahl des Verpackungsmaterials beeinflusst die Treibhausgasbilanz von Verpackungen maßgeblich.
Dabei geht es nicht nur um die Frage „Papier oder Kunststoff?“, sondern um den gesamten Lebenszyklus des jeweiligen Materials.
Ein Materialwechsel kann sinnvoll sein, muss aber immer anhand belastbarer PCF-Daten bewertet werden.
Wichtige Einflussgrößen sind der Materialtyp – etwa Kunststoff, Papier, Glas oder Aluminium – sowie:
Ob eine Gewichtsreduktion wirksamer ist als ein vollständiger Materialwechsel, lässt sich nicht pauschal beantworten. Entscheidungen zur CO₂e-Bilanz sollten deshalb auf fundierten PCF-Berechnungen basieren. Sie machen die Treibhausgasemissionen verschiedener Materialoptionen transparent und vergleichbar.
Die Umweltwirkung einer Verpackung endet nicht mit ihrer Entsorgung im Gelben Sack.
Mit den Anforderungen der PPWR gewinnen Recyclingfähigkeit und Kreislauffähigkeit zunehmend an Bedeutung. Ziel ist es, Materialien möglichst lange im Wirtschaftskreislauf zu halten.
Dazu gehören:
Wichtig ist jedoch: Recyclingfähigkeit allein garantiert noch keine optimale CO₂e-Bilanz.
Eine recyclingfähige Verpackung entfaltet ihr Potenzial erst dann vollständig, wenn geeignete, tatsächlich verfügbare Recyclingströme bestehen und die Materialien im Kreislauf geführt werden.
Deshalb gewinnt der Einsatz von Rezyklaten zunehmend an Bedeutung. Besonders Post-Consumer-Rezyklate (PCR) können den Bedarf an Primärrohstoffen reduzieren und so zur Verbesserung der Treibhausgasbilanz beitragen.
Relevante Ansätze sind:
SÜDPACK bezeichnet Kreislaufwirtschaft, Regranulierung und Recyclingtechnologien als zentrale Bestandteile seiner Kreislaufwirtschaftsstrategie. Interne LCA-Daten des Unternehmens zeigen zudem, dass mechanisches Recycling in den betrachteten Szenarien geringere Umweltauswirkungen aufweist als chemisches Recycling und thermische Verwertung. Diese Einordnung gilt für die jeweils untersuchten Materialströme, funktionellen Einheiten und Systemgrenzen.
Produktionsprozesse spielen für die CO₂e-Bilanz ebenfalls eine Rolle. Ihr Anteil hängt unter anderem vom eingesetzten Verfahren, dem Energiemix, der Anlageneffizienz und der betrachteten Systemgrenze ab.
Zu den wichtigsten Maßnahmen zählen:
SÜDPACK setzt an allen EU-Produktionsstandorten Grünstrom ein und hat den Energieverbrauch durch Effizienzmaßnahmen gegenüber dem Basisjahr 2021 gesenkt.
Bei der Diskussion um die Treibhausgasbilanz von Verpackungen wird ein Aspekt häufig unterschätzt: der Produktschutz.
Verpackungen erhalten Frische, Qualität und Haltbarkeit von Lebensmitteln, stellen die Verfügbarkeit wichtiger Produktinformationen für Verbraucher sicher und tragen dazu bei, Produktverluste zu vermeiden. Bei medizinischen und pharmazeutischen Anwendungen gewährleisten sie den Schutz sensibler Wirkstoffe, die Einhaltung von Hygiene- und Sterilitätsanforderungen, eine sichere Dosierung sowie kindergesicherte und gleichzeitig seniorenfreundliche Verpackungslösungen (CRSF).
Eine Verpackung mit einem höheren CO₂e-Fußabdruck kann im Gesamtsystem dennoch vorteilhaft sein, wenn für die konkrete Anwendung nachgewiesen ist, dass sie beispielsweise Lebensmittelverluste reduziert oder die Haltbarkeit unter definierten Bedingungen verlängert.
Denn vermiedene Lebensmittelverluste können Treibhausgasemissionen einsparen, die bei der landwirtschaftlichen Erzeugung, Verarbeitung und Distribution von Lebensmitteln entstehen. Verpackungsentwickler müssen deshalb nicht nur die Verpackung selbst, sondern das gesamte Verpackung-Produkt-System betrachten.
Deshalb gilt:
Die beste Verpackung ist nicht zwangsläufig die mit dem geringsten Materialeinsatz. Entscheidend ist eine ausgewogene Balance aus Produktschutz, Ressourceneffizienz und Kreislauffähigkeit. Design-for-Recycling-Ansätze sollten dabei mit den Anforderungen an den Produktschutz abgestimmt werden.
Verpackungsentwicklung mit Umweltzielen erfordert häufig die Abwägung von Zielkonflikten:
→ Mehr Barriere oder weniger Material?
→ Höherer PCR-Anteil oder maximale Produktperformance?
→ Recyclingfähigkeit oder Produktschutz?
→ Materialeffizienz oder Maschinenlaufleistung?
Genau deshalb gibt es keine allgemeingültige Lösung. Jede Anwendung erfordert eine individuelle Bewertung der funktionalen Anforderungen und der Umweltauswirkungen.
Die Herausforderung besteht darin, einzelne Umweltziele nicht isoliert zu optimieren, sondern ihre Wechselwirkungen zu bewerten. Verpackungen müssen Produkte schützen, regulatorische Anforderungen erfüllen, effizient verarbeitet werden können und zugleich die für die jeweilige Anwendung relevanten Anforderungen an Kreislauffähigkeit erfüllen.
Es gibt nicht den einen Hebel für eine bessere CO₂e-Bilanz.
Je nach Anwendung können relevante Potenziale durch das Zusammenspiel folgender Ansätze entstehen:
Wer die CO₂e-Reduktion bei Verpackungen erfolgreich vorantreiben möchte, sollte deshalb nicht auf Einzelmaßnahmen setzen. Entscheidend ist die ganzheitliche Betrachtung des gesamten Lebenszyklus auf Basis belastbarer LCA- und PCF-Daten.
Nur so lassen sich fundierte Entscheidungen treffen, die Treibhausgasreduktion, Produktsicherheit, Wirtschaftlichkeit und regulatorische Anforderungen gleichermaßen berücksichtigen.
Relevante Potenziale können in der Reduzierung des Materialeinsatzes, einer geeigneten Materialwahl, recyclinggerechtem Design, dem Einsatz von Rezyklaten sowie energieeffizienten Produktionsprozessen liegen. Welche Maßnahme den größten Effekt erzielt, hängt von der konkreten Anwendung, der Vergleichsbasis und den definierten Systemgrenzen ab und sollte anhand von LCA- oder PCF-Daten bewertet werden.
Nein. Recyclingfähigkeit verbessert die Voraussetzungen für eine Kreislaufwirtschaft, führt aber nicht automatisch zur besten Treibhausgasbilanz. Entscheidend ist die Bewertung des gesamten Lebenszyklus einschließlich Materialeinsatz, Produktschutz sowie geeigneter, tatsächlich verfügbarer Recyclingwege.
Rezyklate können den Bedarf an Primärrohstoffen reduzieren und dadurch zur Verbesserung der Treibhausgasbilanz beitragen. Der tatsächliche Effekt hängt jedoch von Materialart, Rezyklatqualität, Einsatzbereich und den jeweiligen Recyclingprozessen ab.
Produktschutz kann die Treibhausgasbilanz auf Systemebene maßgeblich beeinflussen. Wenn für eine konkrete Anwendung nachgewiesen ist, dass eine Verpackung Lebensmittelverluste oder Transportschäden reduziert beziehungsweise die Haltbarkeit unter definierten Bedingungen verlängert, kann sie dazu beitragen, Treibhausgasemissionen entlang der Wertschöpfungskette zu verringern. Deshalb sollte die Bewertung das gesamte Verpackung-Produkt-System berücksichtigen.