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Kreislauffähige Verpackungen

Pilotprojekt von SÜDPACK & Arla Foods – ein Meilenstein auf dem Weg zur Circular Economy

Es war ein groß angelegter Test mit starker medialer Beachtung – und vor allem mit enormer Signalwirkung: Gemeinsam ist es den beiden Unternehmen SÜDPACK und Arla Foods gelungen, durch chemisches Recycling in der carboliq-Anlage im münsterländischen Ennigerloh Kunststofffolie in einen flüssigen Rohstoff umzuwandeln.

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Kreislauffähige Verpackungen

datetime 28/10/2025 readtime 6 min.

Aus Verpackungs-Abfall wird eine wertvolle Ressource? Was auf den ersten Blick wie eine Utopie anmutet, ist längst Realität. Eine Realität allerdings, die aus Sicht von SÜDPACK dringend weiter gefördert werden muss. Denn noch immer werden mehrlagige Folien hauptsächlich der thermischen Verwertung zugeführt. Das hat seinen Grund: Es existieren kaum entsprechende Wertstoffströme, denen die Materialien zugeführt werden könnten. Zudem ist ihr Einsatz im Rahmen des Downcycling begrenzt, da mechanisches Recycling stets mit Qualitätsverlusten verbunden ist und nicht endlos wiederholt werden kann.

quote

„Im chemischen Recycling sehen wir einen wichtigen und unverzichtbaren Bau-stein für eine Kreislaufwirtschaft in der Kunststoffindustrie – und damit für eine nachhaltige Umwelt.“

Vorname Name, Position bei SÜDPACK

 

So war es bisher auch bei den Reifebeuteln für den Mozzarella-Käse von Arla Foods. Doch mit carboliq steht eine zukunftsfähige Lösung bereit: Die Pilotanlage in Ennigerloh erfüllt alle für die Abfallwirtschaft geltenden Vorschriften, hält alle Genehmigungen für den 24/7-Betrieb und hat sich in mehr als 10.000 Stunden Betriebszeit bewährt. SÜDPACK fördert das fortschrittliche Verfahren im Rahmen der ZERO WASTE Strategie und – seit Anfang 2024 – auch als Mehrheitsanteilseigner. Bislang allerdings wurde die Anlage ausschließlich für das Recycling eigener, produktionsbedingter Materialien genutzt. Doch mit Arla zusammen ist nun das Tor auch für weitere spannende Kundenprojekte geöffnet.

 

Der Mozzarella-Käse


… wird in der Molkerei Rødkærsbro in Dänemark hergestellt. Er reift etwa zwei Wochen lang in speziell entwickelten Beuteln, die aus Gründen der Lebensmittelsicherheit mehrlagig sein müssen. Diese Reifebeutel wurden dann durch chemisches Recycling in Ennigerloh zu einer Flüssigressource, aus der PP-Granulat für die Herstellung von PP-basierten Folien der SÜDAPCK Pure Line genutzt produziert wurde. Diese Folien wiederum werden zu Flow Packs verarbeitet, in denen Arla Foods den Pizza-Reibekäse verpackte. 

„Zwar entspricht eine Tonne Mischkunststoff nicht einer Tonne neuer Verpackungen – aber sie reduziert den Bedarf an fossilen Rohstoffen und ist in der komplexen Welt des Recyclings ein spannender Schritt auf dem Weg zu einer vollständig kreislauffähigen Verpackung“, betont Grane Maaløe, Lead Packaging Development Manager bei Arla Foods.

carboliq: Die Zukunft hat begonnen

Im Gegensatz zur Pyrolysekann der Verölungsprozess von carboliq nicht nur Einsatzstoffe mit hohen polyolefinischen Anteilen (PE, PP, PS) verarbeiten, sondern auch solche mit signifikanten PA- und PET-Anteilen sowie gemischte und kontaminierte Kunststoffe, die bisher einer thermischen Verwertung zugeführt werden müssen. Bis zu einem gewissen Grad ist das Verfahren auch robust gegenüber Verunreinigungen wie Metallen, Steinen oder Glas. 

Konkret werden in dem einstufigen Verfahren also aus einer Vielzahl von abfallbasierten Rohstoffen Bausteine für die Produktion neuer Polymere gewonnen. Die gewonnene Flüssigressource ist ein vollwertiger Ersatz für fossile Rohstoffe wie etwa Naphta. Je nach Qualität des Infeeds erzielt carboliq dabei eine Ölausbeute von bis zu 75 %. Bei Einsatz von 100 % Ökostrom ist das Verfahren als ein NET ZERO Prozess zu qualifizieren. 

Mehr als 50 % der SÜDPACK-Investitionen fließen heute in Technologien, die zur Verbesserung der Nachhaltigkeit beitragen. 30 % des Umsatzes werden bereits mit nachhaltigen Produkten erwirtschaftet. 

Vorteile der rundum nachhaltigen Verpackung

  • Robuster, kontinuierlicher, einstufiger Prozess 
    (TRL 8)
  • Verarbeitung gemischter und verschmutzter Kunststoffabfälle
  • Moderate Prozesstemperatur und damit keine Bildung von Dioxinen und Furanen