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Unterwegs zum effektiven Plastik-Kreislauf

SÜDPACK arbeitet zusammen mit den Kunden Zott und Zur Mühlen Gruppe an einem geschlossenen Kreislauf für flexible Verpackungen.

 

Unterwegs zum effektiven Plastik-Kreislauf

Zott launcht die erste Food-Verpackung mit Anteil an chemisch recyceltem Kunststoff – Zur Mühlen-Gruppe will in Kürze folgen

Mertingen. Die Molkerei Zott umhüllt Mozzarella mit einem innovativen Mehrschichtbeutel. Ein Viertel der enthaltenen Kunststoffmenge wird nicht aus Erdöl, sondern aus chemisch recyceltem, bis dato nicht  wiederverwertbarem Altplastik hergestellt.

Die Beutel der 125g-Kugeln und 250g-Rollen des Produkts Zottarella bestehen aus mehreren Schichten der Kunststoffe Polyamid und Polyethylen. Polyamid stellt ein Viertel Gewichtsanteil, Polyethylen drei Viertel. Beide Plastikarten wurden bisher aus fossilen und damit nicht erneuerbaren Rohstoffen hergestellt. Ab sofort produziert der Verpackungslieferant Südpack für Zott einen Beutel, dessen Polyamid-Komponente durch chemisches Recycling gewonnen wurde. Dabei wird Plastikabfall mittels eines aufwändigen Prozesses in molekulare Bausteine aufgespalten. Aus dem so gewonnenen Rohmaterial können Kunststoffe hergestellt werden, die nicht nur materiell identisch zu den Vorbildern aus fossilen Quellen, sondern auch für den Direktkontakt mit Lebensmitteln zugelassen sind. Aus konventionell recycelten Kunststoffen hingegen können  bislang – von recyceltem PET aus Getränkeflaschen abgesehen – aus Hygiene- und Sicherheitsgründen keine Food-Verpackungen hergestellt werden.

Das von Südpack eingesetzte Polyamid stellt der Chemie-Riese BASF aus einem Pyrolyseöl her, das aus haushaltsnah anfallenden Kunststoffabfällen gewonnen wird. Die Ludwigshafener rechnen einem Endprodukt den enthaltenen Rezyklatanteil mit einem sogenannten Massenbilanzverfahrens zu. Das Prinzip funktioniert analog zur Einspeisung von Ökostrom ins allgemeine Stromnetz zumal auch Stromabnehmer nicht wissen, ob exakt diejenige Energie, die sie von dort abzapfen, aus erneuerbaren Quellen stammt. Sind einem bestimmten Kunststoff Rezyklatanteile kalkulatorisch zugeordnet, kann daraus zertifiziertes Verpackungsmaterial wie etwa Folien für den Zottarella-Beutel entstehen.

Der seriellen Produktion ging im vergangenen Jahr (lz 28-19) ein Pilotprojekt voraus, an dem neben Zott, Südpack und BASF auch der österreichische Kunststoffhersteller Borealis beteiligt war. Die Wiener haben auf Pilot- Ebene gezeigt, dass prinzipiell auch die zweite Beutelkomponente Polyethylen mit chemischem Recycling hergestellt werden kann. Die Kooperation ist eine von mehreren Umsetzungen des BASF-Projekts
„Chemcycling“. Mit Verbundverpackungen wie dem Zottarella-Beutel können Lebensmittel zwar mit relativ wenig Materialaufwand sicher, hygienisch und ohne Minderung der Haltbarkeit verpackt werden. Allerdings
lassen sich Kunststoffverbunde bislang auf konventionellem Weg nur schwer oder gar nicht recyceln und werden daher meist zur Energiegewinnung verbrannt.

Die besondere kreislaufwirtschaftliche Relevanz des chemischen Recyclings liegt darin, dass damit auch Verbunde und sogar stark verschmutzte Kunststoffgemische in den Wertstoffkreislauf zurückgeführt werden können. „Durch Innovationen wie Chemcycling kommen wir der Lösung der Probleme der Recycelbarkeit von flexiblen Verpackungen näher“, so der bei Südpack in der Pilotphase verantwortliche geschäftsführende Gesellschafter Johannes Remmele. Stefan Gräter, spannt den Bogen noch etwas weiter. Erst einmal zur Marktreife entwickelt, kann Chemcycling aus Sicht des BASF-Projektleiters zur Lösung des weltweiten Plastikmüllproblems beitragen.

Von der Pilotphase bis zur Marktreife müssen jedoch noch verschiedene Aspekte geklärt werden. Die existierenden Technologien zur Umwandlung von Kunststoffabfällen in Recycling-Rohstoffe müssen weiterentwickelt und für die Nutzung im großindustriellen Maßstab angepasst werden, um eine durchgängig hohe Qualität des Ausgangsprodukts „Pyrolyseöl“ sicherzustellen. BASF prüft derzeit verschiedene Optionen, wie der Produktionsverbund des Unternehmens langfristig mit kommerziellen Mengen an Pyrolyseöl versorgt werden kann. Dabei spielen neben technologischen auch wirtschaftliche Aspekte eine Rolle.
Damit chemisches Recycling im Markt Akzeptanz findet, müssen darüber hinaus Regulierungsbehörden das Verfahren offiziell als Recycling anerkennen. In diesem Rahmen müssen sie definieren, wie chemisches Recycling und Massenbilanzansätze zur Erfüllung von gesetzlichen Recyclingquoten beitragen können.

Dem Food-Pionier Zott will in Kürze die Zur Mühlen-Gruppe mit der Marke Gutfried folgen. Die Schleswig-Holsteiner lassen die Kunststoffverpackung ihrer neuen Bio-Hähnchen-Fleischwurst zu zwei Dritteln aus  chemisch recycelten Rohstoffen fertigen, ebenfalls aus abfallbasiertem Pyrolyseöl und einmal mehr vom Folienhersteller Südpack. Neben der BASF ist als zweiter Kunststoffspezialist der Petrochemie-Konzern Sabic im Boot.

„Gutfried steht für qualitativ hochwertige Produkte und Genuss ohne Reue. Deshalb unterstützen wir das umweltfreundliche Verpackungsdesign mit der Einführung des ersten Bio-Artikels unter der Marke Gutfried“, so Zur Mühlen-Geschäftsführer Maximilian Tönnies. Auf der Verpackung der Bio-Wurst, die im Juni im Lebensmittelhandel gelauncht werden soll, führt ein QR-Code-Herz zu mehr Informationen über die Herstellung der nachhaltigen Umhüllung. hdw/lz 21-20

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*Quelle: Lebensmittelzeitung Ausgabe 21 vom 22.05.2020